Funktionsverluste zellulärer DNA-Reparatursysteme führen zu
genetischer Instabilität. Angeborene DNA-Reparaturgenvarianten,
die zu einer veränderten Genexpression oder Genfunktion führen,
könnten deshalb zu einer erhöhten Malignomsuszeptibilität
führen. Patienten, die Cyclosporin A erhalten, besitzen ein
stark erhöhtes Risiko, maligne Hauttumore in lichtexponierten
Hautarealen zu entwickeln. Aus unseren Vorarbeiten stellt sich
die Frage, über welche Mechanismen Cyclosporin A zu einer
verminderten Expression von Nukleotid-Exzisions-Reparaturgenen
und damit zu einer erhöhten Hautkrebssuszeptibilität führt. Es
wird dann zu prüfen sein, ob genetische Polymorphismen in den
beteiligten Genen mit einem erhöhten Risiko Cyclosporin
A-induzierter Tumore einhergehen.
Die zelluläre DNA-Reparaturfähigkeit ist neben anderen
Resistenzmechanismen wie Wirkstofftransport oder
Medikamentenmetabolismus entscheidend für das Ansprechen aber
auch die Nebenwirkungen einer gewählten Tumortherapie. Gerade
beim metastasierten kutanen Melanom stellt die Chemoresistenz
gegenüber der Standardtherapie mit Dacarbazin oder Temozolomid
ein großes Problem dar. Zur zellulären Verteilung, dem
Wirkstofftransport und der daraus resultierenden Generierung und
Elimination Therapie-induzierter DNA-Schäden ist wenig bekannt.
Zusammenfassend sollen angeborene und umweltbedingte Ursachen
einer individuell variablen DNA-Reparatur als Marker für
Tumorsuszeptibilität, Therapieresistenz und
Therapienebenwirkungen am Beispiel des Melanoms untersucht
werden. Expertise anderer Arbeitsgruppen zu Membrantransport,
Arzneistoff-Biotransformation und Signaltransduktion wird für
das Projekt zum Melanom genutzt. Andererseits wird die Expertise
bezüglich DNA-Reparatur für andere Projekte zu Lymphomen,
Pankreaskarzinom und anderen Tumoren zur Verfügung gestellt.
Stand der Forschung:
Das kutane Melanom ist die Krebsart mit der höchsten
Inzidenzsteigerungsrate
1.
DNA-Reparaturgenpolymorphismen können zu verminderter zellulärer
Reparaturfähigkeit führen
2, welche ein unabhängiger
Risikofaktor für die Melanomentstehung ist
3.
Cyclosporineinnahme führt ebenfalls zu einem erhöhten
Hautkrebsrisiko
4 u.a. durch Herabsetzung der
DNA-Reparaturfähigkeit und differentiellen Regulation der
Xeroderma pigmentosum Gene (eigene Vorarbeiten). Die Regulation
der XP Gene ist weitgehend unbekannt. Es wurde bisher lediglich
gezeigt, dass die XPC Genexpression über den
Transkriptionsfaktor p53 reguliert wird
5.
Die Standardtherapie des metastasierten Melanoms besteht in der
Gabe von Dacarbazin bzw. Temozolomid, die Pro-Drugs des
zytotoxisch wirksamen Triazin 5-(3-methyltriazen-1-yl)
imidazol-4-carboxamid (MTIC) sind. Die Ansprechraten liegen
jedoch lediglich bei ~10%. Die zugrunde liegenden
Resistenzmechanismen sind bisher nur unzureichend geklärt
6.
Die alkylierende Wirkung von MTIC führt zu Bildung von
O6-Methyldeoxoguanin-DNA-Addukten (O
6-MeG). Die O
6-Alkylguanin-DNA-Alkyltransferase
(MGMT) kann die Alkylgruppe aufnehmen und führt so zur direkten
Reversion des DNA-Schadens. Gleichzeitig kommt es wegen der
falschen Basenpaarung O
6-MeG:T zur frustranen
Aktivierung des Mismatch-Reparatursystems, was zum
programmierten Zelltod führt. Eine niedrige Alkyltransferase-
und eine hohe Mismatchreparaturaktivität sollten daher zu einer
verminderten Chemoresistenz beitragen
7. Klinische
Studien zeigen jedoch diesbezüglich uneinheitliche Ergebnisse,
so dass zusätzlich weitere Resistenzmechanismen eine Rolle
spielen müssen
8. Zur intrazellulären Verteilung und
zum Transport von MTIC ist praktisch nichts bekannt.
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