Molekulare Untersuchungen polymorpher Marker an degradierter DNA aus genetischen Archiven

Historische Anthropologie

Die allgemeine Bezeichnung „Krebs“ impliziert mehr als 200 verschiedene Krankheiten, die zusammen ein Fünftel aller Todesursachen in der westlichen Welt ausmachen (Schulz 2005).
Die Mechanismen der Krebsentstehung sind multifaktoriell und werden seit vielen Jahren intensiv beforscht.
Magenkrebs ist weltweit die zweite häufigste krebsbedingte Todesursache und stellt durch die geringen Heilungschancen und die Beeinflussung der Lebensqualität ein großes Problem dar. In den letzten 70 Jahren sind Inzidenz und Mortalität in den westlichen Ländern jedoch deutlich zurück gegangen. Mögliche Gründe sind verbesserte Hygiene, veränderte Ernährung und der Einsatz von Antibiotika, der die Ausbreitung von Helicobacter pylori eindämmt. H. pylori ist ein Pathogen, das sich im Magen etwa jedes zweiten Menschen weltweit finden lässt und als biologisches Karzinogen eine große Rolle in der Entstehung und Entwicklung von Gastritis und Magenkrebs spielt.

Ein Marker mit wichtigen Funktionen im menschlichen Organismus ist das Tumorsupppressorgen p53. Durch verschiedene Formen von Stress wie DNA-Zerstörung durch UV-Strahlung und Karzinogene wird das p53-Protein aktiviert, welches hunderte Gene reguliert, die mit der Unterbrechung des Zellzyklus, Seneszenz und DNA-Reparatur assoziiert sind. Eine Mutation in p53 kann die antiproliferative Funktion aufheben und durch unkontrolliertes Wachstum die Entstehung von Krebs bewirken. Insgesamt sind die Hälfte aller Tumortypen und etwa 45% der Magenkarzinome von Mutationen in p53 betroffen.

Die Untersuchungen für diese Arbeit finden an historischem Tumorgewebe aus dem Medizinhistorischen Museum der Charité Berlin und dem Anatomisch-Pathologischen Museum Wien statt. Die Proben sind 50 bis 150 Jahre alt und wurden in Konservierungsflüssigkeiten unbekannter Zusammensetzung gelagert.

Das Ziel der Arbeit ist es, die genetische Ausstattung von historischen Tumorproben zu untersuchen. Mögliche Unterschiede sollen mit publizierten Mutationen aus Untersuchungen an heutigen Krebspatienten verglichen werden.

Zur Umsetzung des Untersuchungsziels sind Methodenanpassungen an die Charakteristika alter und degradierter DNA notwendig, um die genetischen Archive der histopathologischen Sammlungen nutzen zu können. Degradierte DNA ist durch kurze Fragmente (100-300bp) und geringe DNA-Ausgangsmengen gekennzeichnet, welche das Risiko für falsch-positive Ergebnisse durch Kontaminationen erhöhen. Daher werden zusätzlich zur Untersuchung von tumorspezifischen Markern zur Authentifizierung genetische Fingerabdrücke für jedes Individuum angefertigt. [40008]

Projektpartner
Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Genetische Epidemiologie
Hämatologie und Onkologie
Historische Anthropologie
Humangenetik
Zelluläre und Molekulare Immunologie
Klinische Pharmakologie
MPI für Biophysikalische Chemie
Pädiatrie
Physiologie & Pathophysiologie

Projekte
Pharmakogenomik maligner Lymphome
DNA-Reparatur und Kanzerogenese
Zytokine und Signalwege
Murine Tumor-Tiermodelle
Hitzeschockprotein-Rezeptoren
Biotransformation und Membrantransport Polymorphismen
Biophysikalische Untersuchung biologischer Makromoleküle
Genetische Anomalien des Neuroblastoms
Transporter für Tumortherapeutika