Abteilung Vegetative Physiologie und Pathophysiologie
Prof. Dr. med. Gerhard Burckhardt
Neben der Aufrechterhaltung der ionalen Homöostase scheiden die
Nieren Stoffwechsel-Endprodukte und Fremdstoffe wie z. B.
wasserlösliche Pharmaka, aus. Wir charakterisieren auf funktioneller
und molekularer Ebene die Transportsysteme, die an der in den
proximalen Tubuli stattfindenden Pharmakasekretion beteiligt sind.
Dazu gehören die Organische-Anionen-Transporter 1 und 3 (OAT1, OAT3)
in der basolateralen Membran sowie OAT4 und OAT10 in der luminalen
Membran proximaler Tubuluszellen. Ratten und Mäusen zeigen
Geschlechtsunterschiede: sat-1, OAT1 und OAT3 sind bei männlichen
Tieren stärker exprimiert als bei weiblichen, was eine Auswirkung
auf die Ausscheidungskinetik anionischer Pharmaka haben dürfte.
Derzeit untersuchen wir, welche Abschnitte im Promotor für die
Steuerung der Geschlechtsunterschiede verantwortlich sind. Im Rahmen
des Graduiertenkollegs 1034 gehen wir der Frage nach, ob die o. a.
Pharmakatransporter in Nierentumorzellen exprimiert sind und zur
gezielten Beladung der Zellen mit Zytostatika benutzt werden können.
OAT1 und OAT3 sind kaum in Nierenkrebszelllinien exprimiert und
fallen daher als Zytostatikalieferanten aus. Dagegen fanden wir in
einigen Zelllinien eine hohe Expression des
Organische-Kationen-Transporters 3 (OCT3). Zellen, die diesen
Transporter in ihrer Zellmembran tragen, sind gegenüber den
Zytostatika Melphalan, Irinotecan und Vincristin empfindlicher als
Kontrollzellen ohne OCT3. Derzeit untersuchen wir diverse weitere
Transporter aus anderen Gen-Familien auf ihre Interaktion mit
Zytostatika und ihre Fähigkeit, Tumorzellen für die Chemotherapie zu
sensibilisieren. Bei Kenntnis der in einem Tumor exprimierten
Transporter könnte künftig eine mehr „maßgeschneiderte“
Chemotherapie mit möglichst hoher Wirkung und möglichst geringen
Nebenwirkungen möglich sein. (39994)
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